Über Dresden und die Russen

Kunstszene Der Traum vom deutsch-russischen Theaterfestival gehört dazu


Mit seinem Theaterstück ,,Bulgakow. Der Brief an Stalin,, gastiert der russische Regisseur Andreas Rajchert vom 8. bis 10.März im St. Pauli Salon auf der Hechtstraße 32. Anlass ist der 73. Todestag Michail Bulgakows (10. März). Seine erfolgreiche Premiere feierte das Stück bereits letzten Herbst im Labortheater der Hochschule für bildende Künste (HfbK).
Der Sohn deutschstämmiger Eltern setzt sich in diesem Stück mit dem stalinistischen System auseinander, zeigt am Beispiel Bulgakows, wie Künstler zwischen alle Fronten geraten konnten. ,,Bulgakow wollte die Seele Russlands in seinen Werken retten,,, so Andreas Rajchert.
Der 43-Jährige beschäftigt sich schon seit 1990 mit dem Leben und Schaffen Bulgakows. „Seine Werke haben mich schon immer fasziniert", bekennt der aus dem Ural stammende studierte Journalist. Anlässlich des 100. Geburtstages gestaltete der vielseitige Künstler 1991 eine Ausstellung in Aschgabat (Hauptstadt von Turkmenistan).
In einer Bilderreihe illustrierte er Bulgakows Roman ,,Der Meister und Margarita". Ein neues Bulgakow-Projekt ist für November dieses Jahres in Zusammenarbeit mit dem Labortheater der HfbK geplant. Dann soll eine Szene aus ,,Der Meister und Margarita" künstlerisch umgesetzt werden. Seine Fähigkeiten als Schauspieler und Regisseur eignete er sich 2009 an einer Theaterschule in Moskau während einer Intensivausbildung an. Seit dieser Zeit dreht er mit einem Kamerateam Filmbeiträge über große russische Dichter wie Tschechow, Gogol oder Dostojewski.
Wer Andreas Rajchert zuhört, spürt seine Begeisterung für die russische Literatur, besonders auch bei dem Thema „Dostojewski und Dresden“. Über zwei Jahre lebte der große Dichter in Dresden, schrieb hier Werk „Dämonen“, „Es gibt viele schriftliche Quelle über sein Leben in Dresden“, ist Rajchert fasziniert. So viele, dass er eine Doktorarbeit zum Thema ins Auge gefasst hat. Seine Theaterstücke und Kurzfilme sind zum Teil provokant. „ Den aktuellen Entwicklungen in der Gesellschaft künstlerisch etwas entgegenzusetzen“, ist sein Ziel. So wagte er sich auch an jüdische Themen, wohl wissend, dass es eine Gratwanderung ist. „Manchmal macht es mir selbst etwas Angst, aber ich kann nicht anders“, so seine Überzeugung.
Andreas Rajchert hat viele Projektideen. Ein Traum von ihm ist die Schaffung eines deutsch- russischen Theaterfestivals. „In dem einen Jahr soll es in Dresden stattfinden, im darauffolgenden Jahr dann in der Partnerstadt St. Petersburg“, so der Visionär. Die entsprechende Unterstützung auf russischer Seite sei bereits vorhanden.
Neben seinen vielen Theater- und Filmprojekten gestaltet Andreas Rajchert zwei Mal im Monat das deutsch-russische Kulturmagazin bei Colorradio (dritter Sonnabend 12 – 14 Uhr und vierter Sonnabend 20 – 22 Uhr). Seit 2002 lebt er in Dresden. Weitere Informationen zu dem Bulgakow-Theaterstück finden sie auf www.theaterruine.de. ct

 

 

 


 

 

Sächsischer Bote
ct, 02.03.2013