Auf dem Billiglohnsektor

Goldonis Komödienklassiker „Diener zweier Herren“ von 1745 lebt in schönste Commedia-dell´arte-Tradition von turbulenten Rollenwechseln, zahlreichen Verwicklungen und Komplikationen zwischen Liebenden, Geschäftspartnern und dem stets hungrigen und alles verwirrenden Arlecchino, der sich als gewitzter Harlekin geschickt durch das selbst angerichtete Chaos zu lavieren weiß. Doppelt hält eben nicht immer besser.
Doch Peter Turrinis Bearbeitung stehen dem munteren Volkshelden kein läppischer Patrizier Pantalone und dümmlich-eitler Dottore mehr gegenüber, sondern Global Players der üblen (und allzu vertrauten) Sorte. Um sich auf dem Billiglohnsektor über Wasser zu halten, verschafft sich Arlecchino als „Diener zweier Herren“ gleich zwei Jobs, doch der Gedanke „doppelt hält besser, wenn man Hunger für zwei hat“, entpuppt sich als Trugschluss, wie auch in Jörg Bergers Inszenierung. Betrogen um seinen Lohn, hetzt Arlecchino (Anke Porkony Kropp) sich ab bei diesem „Tanz auf allen Hochzeiten“ und gerät zunehmend zwischen die Fronten seiner zwielichtigen Arbeitgeber und ihrer kriminellen Machenschaften.

 

 

 


 

 

Sächsische Zeitung -Augusto
22.08.2013