Mit Prügel beginnt es, mit Prügel endet es


In der St Pauli Ruine kuriert „Der Arzt wider Willen“ nach Manier des Doktor Eisenbart ein stummes Mädchen

 

„Ein Arzt bringt seine Krankenungestraft um, denn die Erde bedeckt die Fehler, deren er sich schuldig gemacht hat – ohne dass man ihn dafür haftbar machen könnte.“ So versicherte einmal der französische Philosoph Michel de Montaigne. Sein Landsmann Molierè zeichnete in seiner Komödie “Der Arzt wider Willen“ auch nicht gerade ein nettes Bild der Mediziner-Zunft, selbst wenn es zugegebenermaßen noch nicht einmal ein richtiger Arzt ist, der an der verstummten Lucinde herumdoktert.
Mit ihren kauzigen Typen zählt diese burleske Charakterkomödie nach der Commedia dell´arte noch heute u den meistgespielten Stücken Molierès. Am Freitag hatte Jörg Bergers Inszenierung an der St. Pauli Ruine in Dresden Premiere. Er setzt nicht zu knapp auf slapstickhafte Komik, überstrapaziert aber gelegentlich den Witz. Etwa wenn mal wieder jemand über die eignen Füße stolpert. Manche Charaktere tragen Alltagskluft, andere historische Kostüme. Christoph Wagner spielt - nicht durchgängig mit leichtem französischen Akzent – die zentrale Figur : Faulpelz und Trunkenbold Sganarelle, den seine Frau (Ingrid Schütze) als erfolgreiche n Doktor anpreist.
Doch tut sie das nur, um ihm einen Denkzettel zu verpassen: Eben noch hat sie von ihm Dresche mit dem Stock bezogen. Nun soll er welche beziehen. Ausführende Straforgane sind zwei nicht minder geistig beschränkte Diener namens Valere (Veit Schuhmann) und Lucas (Frank Bendas). Um nicht länger Prügelknabe zu sein, gesteht Sganarelle, Arzt zu sein. Und als er erkennt, dass Medizin die „einträgliche Kunst ist“, findet er auch Gefallen an der neuen Rolle. Dreimal (letztlich einmal zu viel, weil es dann doch langweilt) hört man, wie Sganarelle beteuert, er praktiziert nicht des Geldes wegen, und sieht ihn aber doch Scheinchen um Scheinchen einstreichen.
Ein Publikumsliebling ist Frank Bendas, der als eine Art Wiedergänger von Eberhard Cohrs durchgehen könnte, und nicht nur wegen des fast schon überstrapazierten sächsischen Dialekts. Auch Olaf Nilsson überzeugt als Lucindes Vater Geronte. Schließlich endet das Sommerspektakel, wie es begonnen hat: mit Prügel.

 

 

 


 

 

Sächsische Zeitung
C. Ruf, 22.07.2013