Molierès „Arzt wider Willen“ hatte Premiere in der Theaterruine

Ein komischer Wunderheiler

 

DRESDEN – Er hat keine blassen Schimmer von der Heilkunst. Dafür kennt der Taugenichts Sganarelle sich bestens mit diversen Wässerchen aus, um das Blut seiner Mitmenschen in Wallungen zu bringen.
Das führt in Molierès Komödie „ Der Arzt wider Willen“ zu Verwicklungen für den Wunderheiler. Die Premiere der doppelbödigen Sommertheater-Inszenierung mit bekannten und neuen Gesichtern im passionierten Laienspielensemble unter Regie von Jörg Berger war am Freitagabend in der Theaterruine am Königsbrücker Platz.
Manchmal hilft nur noch der Glaube an Wunder: Um ihren Ehemann, einen notorischen Faulpelz und schlagenden Trunkenbold , zu kurieren, preist seine Frau ihn ohne sein Wissen als erfolgreichen Doktor an. Der aus Bescheidenheit seine Heilkünste verleugne, jedoch unter Gewaltanwendung wahre Wunder vollbringe. Mit Rotkreuz-Käppi und Clownsnase umherstolpernd, fügt sich der so närrische wie mit allen Wassern gewaschene falsche Arzt ( herrlich schlitzohrig: Christoph Wagner) bald in seine neue Rolle , nutzt die Gutgläubigkeit seiner Patienten weidlich aus und verdient reichlich an ihren Nöten und Gebrechen.
In einer Doppelrolle begeistert Ingrid Schütze als scharfzüngige Ehefrau des „Arztes“ und als junges Mädchen, das stumm wie ein Fisch wird – in dem Moment, als der Vater (gockelhaft-wehleidig: Olaf Nilsson) seine Tochter mit einem von ihr ungeliebten Mann verheiraten will. Da ist guter Rat teuer, türmen sich die Medikamentenberge auf der Bühne, jagen zwei Diener (Frank Bendas, Veit Schumann) den falschen Arzt in köstlichen Slapstick.Szenen, Als adrett verlockende Amme sorgt Ilka Knigge für Schmunzeln, als der Arzt sie gar zu genau untersuchen will und ihr Mann als Trottel dasteht.
Ein turbulentes kurzweiliges Sommertheater-Vergnügen, das wohldosiert mit Herz und Hirn die Lachmuskeln strapaziert, begleitet von beschwingten und feurigen Klängen auf der Gitarre von Eric Törsel. Herzlicher Beifall. Lilly Vostry

 

 


 

 

Morgenpostr
22.07.2013