St. Pauli Ruine

Ein Nachmittag am Sonntagabend

Zwanzig Finger an zwei Gitarren, das genügt für ein grandioses Konzert der besonderen Art. Es ist sogar, kaum zu glauben, das einzige Dresden- Konzert des Gitarrenduos Dirks + Wirtz in diesem Jahr gewesen. Zwangsläufig sorgte es am Sonntagabend für viel Auflauf und Zuspruch im Hechtviertel.
Da sich überm Glasdach der St. Pauli Ruine kein Schimmer einer Wolke blicken ließ und im Saal darunter viele Gäste mit ihrem Nachwuchs erschienen sind, wurde die Hörerschar abends halb acht launig zu einem Nachmittagskonzert begrüßt. Die beiden Meisterinterpreten entführten ihr Publikum aber nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich. Die Konzertreise ging ins Tangoland eines Astor Piazolla, machte einen volkstümlichen Ausflug zum schwedischen Pippi Langstrumpf-Komponisten Jan Johansson, walzerte nach Venezuela sowie an Düsseldorfs Rhein und adaptierte aus Liverpool einen Beatles-Hit.
Reentko Dirks (der sich inzwischen nur noch Reentko nennt) und Daniel Nikolas Wirtz zauberten ein Wechselspiel aus Rasanz und Poesie ins Backsteinschiff, dessen Akustik für diese Musik erstaunlich gut geeignet schien. Bearbeitungen namhafter Musiker - Legenden wie Egberto Gismonti, Ralph Towner oder auch Harry Belafonte durften nicht fehlen – sorgten ebenso für großen Beifall wie die eigenen Kompositionen des Duos, das sich mit seiner Fingerfertigkeit einen Namen gemacht hat. Dirks und Wirtz überzeugen freilich nicht nur mit ihrem faszinierenden Feuerwerk auf den Saiten, sondern nicht weniger mit musikalischem Sachverstand und Einfühlungsvermögen. John Williams` Filmmusik zu „Schindlers Liste“ etwa kam gerade andächtig und sorgte für so manches sehnsüchtiges Ach und Oh im Saal.
Es ist genau diese Melange aus Orkan und Luftanhalten, mit der Dirks und Wirtz immer wieder bestechen und in die sich eigene Stücke wie eine Tarantella oder eine Piazolla-Hommage wunderbar einfügen. Keine Frage, als es wirklich längst dunkel war, musste noch eine Handvoll Zugabe her. Die Leute von ST. Pauli - Veranstalter wie Gäste – dürfen sich glücklich schätzen, dass ihnen dieses einzigartige Konzert in der Ruine gelang.
Aldo Lindhorst

 

 

 


 

 

DNN
Aldo Lindhorst,13.08.2013