Mime aus Leidenscchaft

Ein Tausendsassa auf der Bühne ist Karl Weber. Der Theaternarr und Vollblutschauspieler par exellence schlüpft seit über 30 Jahren in verschiedenste Rollen.


Kaum ein Stück. in dem er nicht voller verschmitzter Spielleidenschaft mitmischt Ensemble der Theaterruine St. Pauli. Zurzeit ist er in gleich fünf Inszenierungen in dem romantischen alten Backsteinbau am Königsbrücker Platz im Hechtviertel zu sehen. Noch bis Anfang Oktober gibt es hier allabendlich lebenspralles Volkstheater, Musik und Konzerte. Karl Weber fällt mit seiner charismatischen Ausstrahlung auf. Mit grauem Wuschelkopf und Bart, gewitzt, schalkhaft und lebensweise und körperlich nicht der Größte, zieht er die Zuschauer mit seinem intensiven Spiel in Komödien und Tragödien in seinen Bann. Eine Poroderolle für ihn ist der Zauberer Merlin in "Purcells Traum von König Artus" von Tankred Dorst. Er ist der Wasserverkäufer Wang in Brechts Stück "Der gute Mensch von Sezuan", berührt als verzweifelter Arlechino und als Frau verkleidet als Smeraldina im "Diener zweier Herren" von Turrini/Goldoni und erheitert als verschrobener Typ namens Fabrizio in der turbulenten Hinterhofkomödie "Der Campiello“ von Carlo Goldoni das Publikum. In gleich drei Rollen - als Tempeldiener, blinder Dichter Homerund Götterchef Jupiter - agiert Weber in Peter Hacks' Singspiel für Schauspieler "Helena". Kommt er bei so vielen Rollen nicht auch mal durcheinander? "Das geht gar nicht, weil man ja mit jeder Figur durchlebt, was ihr gerade passiert", erklärt Weber. Aber ein Blackout mit Texthänger oder vergessenen Abgängen käme schon mal vor.
"Doch es geht immer weiter. Das Wichtigste ist, die Körperspannung und den Blickkontakt zu den a nderen Spielern zu halten und dann wird eben etwasimprovisiert", sagt er schmunzelnd. "Das ist gerade das Schöne, dass kein Theaterabend wie der andere ist." Regisseur Jörg Berger lasse den Spielern auch viel Freiraum. Außerdem hat Karl Weber immer kleine Kärtchen mit seinen Rollentexten in der Hosentasche dabei.
Er hat Maschinenbau und Philosophie studiert und spielte bis zur Wende im Arbeitertheater des VEB Verpackungsmaschinenbau in Dresden. Seit elf Jahren gehört er zum Ensemble der Theaterruine und ist auch im neuenVerein der jiddischen Musik- und Theaterwoche aktiv. In der Adventszeit wird Karl Weber wieder Lesungen für Kinder im St. Pauli Salon veranstalten. Wobei er aus seiner reichen Märchensamm lung mit über 300 Büchern schöpfen kann.
Wort: Lili Vostry I Bild: P.D.

 

 


 

 

Blitz
Lilli Vostry, 09.2013