Theater unter Glas

Die St.-Pauli-Ruine ist seit der Sanierung eine der schönsten Spielstätten der Stadt. Das Ensemble befasst sich nun spielerisch mit der eigenen Geschichte.

Im Sommer ist der Mensch gern draußen. Es gibt wohl kaum etwas Schöneres, als an einem lauen Sommerabend im Freien zu sitzen oder gar Cabrio mit offenem Verdeck zu fahren. Das Ganze macht logischerweise weniger Spaß, wenn ein Sommerregen einsetzt. Damit die Menschen auch bei Niederschlag nicht auf ihr Freiheitsgefühl verzichten müssen, haben kluge Autodesigner das Panorama- Glasdach erfunden. Etwas Ähnliches überlegten sich Architekten auch für die Theaterruine St. Pauli mitten im Hechtviertel. Seit dem Frühjahr spannt sich eine imposante und trotzdem filigrane Glaskonstruktion über dem Gemäuer. Eigentlich soll das vor allem die Nachbarn vor Theatergeräuschen zur späten Abendstunde schützen. Für die Besucher hat der Umbau einen netten Nebeneffekt: Sie sind nun drinnen – geschützt vor Regen und ein bisschen auch vor Kälte -und trotzdem irgendwie draußen. Die Theaterruine ist zu einer der schönsten Spielstätten Dresdens geworden. Im aktuellen Stück ,,Purcells Traum von König Artus" von Tankred Dorst befasst sich das Ensemble des Theatervereins St. Pauli nun spielerisch mit der eigenen Geschichte. Die hat nämlich durchaus Höhen und Tiefen. Vor sieben Jahren musste die damals noch baufällige Ruine gesperrt werden. Im Frühjahr musste der Verein Alarm schlagen. Die Ruine war zwar saniert, es fehlte aber die Bestuhlung. In dem Stück von Tankred Dorst geht es nun passend um eine marode Theaterruine, eine Investorengruppe, die den Musen- für einen Einkaufstempel abreißen will, ein paar Freaks und unversehens auftauchende Geistergestalten.

 

 

SZ
Tobias Winzer
11/12.08.2012