Gäste: Hoyerswerda - Eine Stadt tanzt Sacre
Tanz- und Videoprojekt nach Igor Strawinskys Ballett

Igor Strawinsky schrieb sein Ballett „Le Sacre du Printemps“ im Jahre 1913, und schnell wurde das anfangs ungeliebte Stück zu einem Schlüsselwerk und Klassiker der Musik des 20. Jahrhunderts. Aber was bedeutet das „Frühlingsopfer“ heute, nach der Jahrtausendwende? Was empfinden wir heute als Aufopferung in unserer Gesellschaft? Wie entsteht heutiges Aufopfern?

Mit dem Ziel, eine moderne Deutung von von Strawinskys Meisterwerk zu finden, fanden sich letztes Jahr 74 Hoyerswerdaer Einwohner jeglicher Couleur und quer durch alle sozialen Schichten und Generationen zusammen, um Teil eines Kunstprojektes der Kulturfabrik Hoyerswerda zu werden: „Eine Stadt tanzt Sacre“!

Drei bis fünfmal wöchentlich trafen sie sich in einer Halle, um gemeinsam zu tanzen, zu schwitzen, Ängste zu überwinden und Persönliches zu teilen – und schufen so unter der Leitung der Choreografen Dirk Lienig und Judtih Gamm ein außergewöhnliches Tanz- und Videoprojekt, welches im Juni 2014 seine Premiere feierte.

Choreographisch und in Videosequenzen werden die erarbeiteten Deutungen des „Frühlingsopfers“ auf der Bühne multimedial kombiniert. Die Basis dafür waren die filmischen Porträts der Tänzer, die zum einen Wunschbilder einer sozialen Zukunft formulieren und zum anderen biografische Brüche zeigen - ausgelöst durch Elternhaus, Schule, Berufsausbildung, Studium und Arbeitsleben.

Strawinskys Stück mündet eigentlich in einem „barbarischen Todestanz“, das sich den Göttern aufopfernde Mädchen fällt tot zu Boden. Dieses Ende interpretiert „Hoyerswerda – Eine Stadt tanzt Sacre“ auf seine eigene Art und Weise und zeigt vor allem, dass trotz aller modernen Aufopferungen für den gesellschaftlich vereinbarten „Wachstumsauftrag“ sich Neigungen, Energien und Träume für ein menschlicheres, gemeinschaftliches Leben nicht bändigen lassen - entgegen aller stromlinienförmiger Fokussierung auf Geld, Leistung, Mobilität, Flexibilität, Rationalisierung und Konkurrenz...

„Den Opfertanz können wir alle mittanzen. Aber irgendwann kommt die Grenze, wo ich beginne mich zu schützen. Der Überlebenswille siegt. Opfern? Nein - es muss auch anders gehen!“ (Astrid, 41)


 

Sonntag 11.10.2015, 17 Uhr & 19 Uhr
Kartenpreis: 11 [7] €

 
 
   



Besetzung von „Eine Stadt tanzt Sacre“:

Tänzer: Tanzkompanie KuFa
Regie und Projektleitung: Dirk Lienig
Buch und Film: Olaf Winkler, Dirk Heth, Dirk Lienig
Choreografie: Judith Gamm, Dirk Lienig
Musik: Igor Strawinsky

Spieldauer: circa eine Stunde ohne Pause

Website:
http://www.dirk-lienig.de/work/stadttanztsacre